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Klassische Ruhrgebietsgerichte

Durch den Einfluss der Nachbarn sind Pumpernickel, westfälischer Schinken und Panhas im Ruhrgebiet genauso zuhause wie  „Westfälischer Rosenkranz“, „Rheinisches Muschelessen“, „Himmel und Erde“ oder die „Bergische Kaffeetafel“. Die Gastarbeiter aus Schlesien und Polen haben dafür gesorgt, dass Wurstwaren wie Krakauer und Polnische oder Schlesische Gurken zu Alltagslebensmitteln im Pott gehören. Die Gastarbeiter der letzten Generation, Italiener, Griechen, Türken und Anfang der 80-er Jahre auch Koreaner, haben ebenfalls ihre Spuren hinterlassen, was sich nicht zuletzt in der Gastronomie niedergeschlagen hat. Einige Gerichte wie beispielsweise der westfälische Pfefferpotthast sind dabei nur bis zu bestimmten Gegenden des Ruhrgebiets bekannt, in diesem Fall etwa von Dortmund bis Bochum. Dieses Essen ist zugleich ein schönes Beispiel für ein in einem Topf zubereitetes Gericht.
 
In Eintöpfen fanden sich vor allem Kartoffeln, Linsen, Sauerkraut, weiß und grüne Bohnen, Erbsen, Stielmus, Möhren mit Speck und Fleisch. Je nachdem wie raffiniert für die damaligen Verhältnisse die Köchin kochte, verfeinerte sie es mit mehr oder weniger speziellen Gewürzmischungen.
 
Viele mögen sich mit Grauen an ihre Kindheit zurückerinnern, wenn von Panhas die Rede ist. Und zugegeben: Anfangs ist schon die Herstellung dieses Stückes Ruhrgebiet ein wenig gewöhnungsbedürftig. Wasser wird in einem Topf erhitzt. Wenn es kocht, wird Schweinefleisch – und hier vor allem Kopffleisch oder Backen – hinzugefügt und rund zwei Stunden lang gekocht. Der entstandene Sud wird passiert und das Fleisch kleingeschnitten. Danach werden Schweineblut und Buchweizenmehr hinzugeschüttet. Im Anschluss daran das Ganze mit Salz, Pfeffer, Majoran, Nelke, einer Prise Thymian, geriebener Zwiebel und Zucker würzen. Die Masse erkaltet in einer Form und wird anschließend in Scheiben geschnitten. In der Pfanne angebraten und dann auf Brot, mit gerösteten Zwiebeln und Senf serviert ist Panhas ein unterschätzter Genuss.

Kantinen waren in Bergwerken unbekannt und wohl auch eher schlecht zu erreichen gewesen, wenn der Bergmann in einem fünf Kilometer entfernten Flöz gerade Kohle abbaute. Deshalb wurde das Mittagessen genau dort eingenommen, wo man in diesem Moment arbeitete. In dem Henkelmännern befanden sich dabei zumeist „Dubbles“, doppelt belegte Kniften, also Butterbrote. Zuhause wickelten die Bergmannsfrauen das „Pausenbrot“ in Zeitungs- oder Butterbrotpapier und wickelten es schließlich in ein Grubentuch. Viele Bergmänner verwendeten das beim Verlassen der Grube leere Tuch dafür, um einige Stücke Holz für den Ofen daheim hinauszuschmuggeln. Das „Mutterklötzchen“. Zu den Dubbles gab es kalten oder lauwarmen Kaffee. Das wohlverdiente MORITZ FIEGE Bier gab es erst abends in der Eckkneipe – auch wenn man dem einen oder anderen Stahlkocher nachsagt, er habe es bereits mittags aus der blechernen „Teepulle“ genossen.

Um endgültig mit einem alten Vorurteil aufzuräumen: Der Bergmann suchte die Eckkneipe nicht (nur) auf, um Ruhe vor seiner Frau und den Kindern zu haben. Die damaligen Behausungen waren für so viele Personen einfach zu klein und wer in Ruhe mit den anderen „Kumpels“ ein kühles MORITZ FIEGE Bier genießen wollte, musste deshalb dazu das Haus verlassen.

© Moritz Fiege 2006-2011
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