Die Entwicklung der Ruhrgebietsküche
Alles aus einem Pott – so kann man die traditionelle Ruhrgebietsküche wohl am treffendsten beschreiben. Früher gab es häufig nur eine Feuerstelle und damit musste das Essen zwangsweise in einem Topf zubereitet werden.
In den Bergarbeiterkolonien lebten Gastarbeiter (auch Deutsche aus anderen Regionen) zum Beispiel aus dem Oberschlesischen oder aus Polen mit Ruhrgebietsoriginalen Tür an Tür. Viele von ihnen stammten eher aus ländlich beziehungsweise landwirtschaftlich geprägten Gegenden. Aber auch beispielsweise die Nachbarregionen Duisburgs, der Niederrhein, und Dortmunds, Westfalen, haben ihre Spuren in der Ruhrgebietsküche hinterlassen. Dank des größten europäischen Binnenhafen kann Duisburg auch die lukullischen Spuren niederländischer und belgischer Küche vorweisen. Unterschiedlichste Einflüsse, Zutaten, Gewürze und Geschmäcker ergaben immer wieder neue Mischungen und prägten so die Ruhrgebietsküche und ihre gewachsene Tradition.
Viele der Bergarbeiter waren wenigstens zu einem kleinen Teil Selbstversorger – was angesichts der zur damaligen Zeit höchst komfortablen Lebensumstände, nämlich einem Haus(-anteil) mit Garten, auch mitten im Ruhrgebiet keine große Schwierigkeit darstellte. Da selbst große Familien nicht das gesamte Gemüse auf einmal essen konnten, es die Hausfrau ein und lagerte es für die kommenden Monate im Vorratsraum. Neben dem Gemüsegarten befanden sich häufig Verschläge für Tauben oder anderes Geflügel, Kaninchen oder sogar Schweine und Ziegen, letztere nannte man im Ruhrgebiet "Bergmannskühe". Noch heute sind die aus dieser Kultur entstandenen Schrebergärten und Taubenzüchtervereine im ganzen Ruhrgebiet zu finden.
Aber auch Fisch stand auf dem Speiseplan der Bergarbeiterfamilien – und das nicht nur freitags. Dieser kam aus der Region: Stehende Gewässer im Westfälischen oder aufgestaute Bäche am Rande des Sauerlandes garantierten den Ruhrgebietlern, dass sie keinen Fisch aus den industriell verschmutzten Gewässern verspeisen musste – sofern dort überhaupt noch Leben möglich war.
Nach der anstrengenden Schicht in der Mine brauchte der Bergmann etwas „Ordentliches“ auf dem Teller. Und so entspricht die Ruhrgebietsküche in gewisser Weise dem Charakter, den man den Bewohnern der Region nachsagt: handfest und schnörkellos. Das heißt aber nicht, dass sie heute nicht mehr zu genießen ist. Im Gegenteil: Viele Ruhrgebietsköche haben mit modernen Varianten der regionalen Klassiker großen Erfolg und Genießer als Stammkunden gewinnen können. Aber auch die traditionellen Gerichte, lange als fettes Proletarieressen verpönt, können zunehmend wieder auch Feinschmecker überzeugen.
Übrigens rankt sich oftmals rund um das Essen der Bergmänner die eine oder andere interessante Geschichte. Beispielsweise entwickelte sich aus dem italienischen „Mangare“ (Essen, Nahrung) in typisch pragmatischer und direkter Weise das ruhrgebietlerische „Matschare“, was nichts anderes als „etwas Essbares“ bedeutet. Kartoffelsalat heißt im Pott einfach nur „Ärpelschlot“.


